Klavier spielen lernen

Schon als Kind war ich fasziniert von der Idee, Klavier spielen zu lernen. Meine Eltern leider nicht. Sie wollten auf gar keinen Fall mit der Klimperei beim Üben belästigt werden. Obwohl sie andererseits auch wieder überzeugt waren, dass ich sowieso nicht lange Lust zum Üben haben würde und das Klavier dann immer nur im Weg herumsteht. Ich bekam also kein Klavier.

Später, während meines Studiums, habe ich mir ein Miracle-Klavierlernsystem (Software plus Keyboard) gekauft. Das wurde über MIDI an den Computer angeschlossen und hatte eine grafische Oberfläche für DOS (ja, so alt bin ich!), die man auch komplett per Tastatur bedienen konnte. Ich fand das großartig und habe damit viel geübt und viel gelernt. Unpraktisch war allerdings, das Keyboard vor den Computer zu stellen – ich hatte nie genug Platz dafür am Schreibtisch. Einen zweiten Computer nur fürs Miracle wollte ich mir auch nicht hinstellen. Und so habe ich das Üben irgendwann wieder aufgegeben.

Miracle

Vor einiger Zeit erfuhr ich aber von Thomas Forschbach und seinen Video-Tutorials zum Klavierlernen. Thomas versprach, dass mit seiner Methode jeder spielerisch mit viel Spaß Klavier lernen könnte. Das musste ich ausprobieren. Zuerst begann ich mit dem kostenlosen Crash-Kurs. Da hatte ich schon mal einen guten Einblick. Dann holte ich mir den Piano-Komplete-Kurs und übte einige Wochen fleißig. Dann gab ich es wieder auf, denn machte mir nicht ganz so großen Spaß, wie ich gehofft hatte. Ich merkte, dass ich mich nicht 100%ig auf das Klavierspielen konzentrieren konnte. Mir flogen mitten im Stück die wildesten Gedanken im Kopf herum und ich verspielte mich. Das war frustrierend.

Aber jetzt: Thomas hat einen neuen Kurs mit Weihnachtsliedern herausgebracht. Das ist für mich ein neuer Anreiz. Weihnachtslieder am Klavier

Weihnachtslieder wollte ich schon immer gern auf dem Klavier spielen können. Früher haben wir viel Weihnachtslieder gesunden, mein Opa hat am Klavier dazu gespielt. Heute ist das schon fast in Vergessenheit geraten. Mein Opa ist gestorben. Wenn ich das jetzt nicht lerne, wird in unserer Familie nie wieder jemand damit anfangen – glaube ich. Dieses Jahr im Advent werden meine Kinder mit Weihnachtsliedern gequält 😉

Da ich die Lieder schon kenne, fällt es mir viel leichter als bei unbekannten Stücken, die Noten zu lernen und zu behalten. Und wenn ich mal doch keine Lust mehr haben sollte, dann werde ich mich an Thomas‘ Rat halten: Übe jeden Tag 5 Minuten! (nein, nicht länger)

Eine Sache können mir die Videotutorials leider nicht bieten, die das Miracle hatte: einen Lernmodus im Tempo des Lernenden. Auf dem Bildschirm sind alle Noten zu sehen, die erste Note ist markiert. Die Markierung springt zur nächsten Note, wenn man die richtige Note gespielt hat. So geht es durch das ganze Stück, inklusive Notenblatt umblättern. Ich finde das genial, um unbekannte Stücke zu lernen. Da beim Miracle das Keyboard per MIDI an den Computer angeschlossen war, konnte die Software ganz einfach und eindeutig erkennen, welche Tasten wann gedrückt wurden.

Ein Berliner Start-Up hat jetzt etwas ähnliches entwickelt. Es heißt flowkey und ist bisher online im Browser zu nutzen (also wieder das Keyboard an den Computer stellen 🙁 ). Der Es ist noch in der Beta-Phase. Anscheinend haben sie auch noch Probleme, die gespielten Töne richtig zu erkennen. Denn hier wird nicht die angeschlagene Taste per MIDI-Kabel übermittelt, sondern über das Mikrofon aufgenommen, was gespielt wird. Ein ganz besonders schlauer Algorithmus (wichtig für den Wert des Unternehmens, da haben Nachahmer erstmal eine harte Nuss zu knacken) berechnet dann aus dem akustischen Signal, welche Tasten gespielt wurden. Und das natürlich in Echtzeit! Aber es funktioniert schlecht bei Hintergrundgeräuschen und bei schlechten Mikrofoneingängen und bei komplexen Partituren auch. Tja, ich bin sehr gespannt, ob es bald eine gut funktionierende offizielle Version geben wird – und dann natürlich auch als App, damit ich nur das iPad zum Keyboard und nicht das Keyboard zum Computer tragen muss.

flowkey

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